Aggressives Verhalten bei Frauen gegenüber anderen Geschlechtsgenossinnen wird landläufig als Stutenbissigkeit bezeichnet. Bei stillenden Müttern hat das "Laktationsaggression" genannte Verhalten nicht nur einen anderen Namen, sondern ist auch deutlich ausgeprägter. Das fanden jetzt Psychologen der Universität von Kalifornien, der Brigham Young University und der Queen's University Belfast heraus.
Sie absolvierten mit 54 Frauen einen Aggressionstest. Von den Teilnehmerinnen waren 19 kinderlose Frauen, 18 stillende Mütter und 17 Frauen, die ihren Kindern Muttermilchersatz gaben. Bei dem Test sollten sie ein Reaktionsduell an Computern absolvieren. Die angebliche Gegenspielerin war eine von den Forschern eingeschleuste Person, die in der Vorbesprechung durch ein rüdes Verhalten auffiel und so für eine schlechte Atmosphäre gesorgt hatte. Die Gewinnerin des Duells durfte ihre Gegenspielerin per Knopfdruck mit Lärm in zuvor festgelegter Dauer und Lautstärke peinigen. Die Strafe der vermeintlichen Kontrahentin wurde den Frauen zuvor bekannt gegeben. In Wirklichkeit spielten die Frauen gegen ein standardisiertes Computerprogramm.
Laut dem Wissenschaftlerbericht im Fachmagazin "Psychological Science" zeigte es sich, dass stillende Frauen doppelt so aggressiv wie kinderlose Frauen oder Mütter reagierten, die ihren Kindern einen Milchersatz verabreichten. Gleichzeitig blieb der systolische Blutdruck der Stillenden deutlich niedriger als bei den anderen Frauen. Daraus schließen die Psychologen, dass das Stillen aggressives Verhalten erleichtert, indem es die autonome Stressreaktion dämpft. Ein eher defensives Verhalten gegenüber stillenden Frauen ist nach Ansicht der Forscher daher ratsam.
Die Laktationsaggression kommt bei allen Säugetieren vor und ist der Grund, warum Mütter ihren Nachwuchs oft beherzt verteidigt. Während diese Form der Aggression beispielsweise bei Bären sehr stark ausgeprägt ist, fällt sie beim Menschen in der Regel eher verhalten aus.
Quelle Text: umwelt-panorama.de, Quelle Foto:kinder.de