Anja Langenbacher // Hebamme
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in ganz Baden-Württemberg stellen sich in diesen Wochen an verschiedenen Orten die Hebammen auf die Marktplätze, vor die Rathäuser, Krankenhäuser oder Krankenkassen und streiken. Auch die familienpraxis hebanna zieht mit und ich werde mich am Streik in der nächsten Woche mit unserem Kreisverband beteiligen. Immer noch viel zu wenig wird realisiert, dass die vielen sogenannten Gesundheitsreformen der letzten Jahre uns überhaupt nichts gebracht haben. Im Gegenzug wurden die Versicherungsbeiträge immer weiter erhöht, sodass wir für einen Stundenlohn arbeiten müssen, der in Deutschland unter dem Mindestlohn liegt. Während wir streiken, werden viele junge Familien nicht versorgt, ich mache keine Hausbesuche, Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungs-Kurse fallen aus, Schwangere bleiben mit ihren akuten Fragestellungen ohne Antwort. Das fällt mir schwer, dass diejenigen, denen ich mich besonders verpflichtet fühle, nun am deutlichsten die negativen Auswirkungen unseres Protestes zu spüren bekommen. Doch so wie ihr im Normalfall von meiner Energie und Leidenschaft profitiert, wenn es um eure "Probleme" geht, so wollen wir Hebammen nun von eurer Energie und Leidenschaft bei unseren "Problemen" profitieren. Gebt bitte euren Krankenkassen eine deutliche Rückmeldung, wie ihr es findet, dass eure Hebamme streiken muss, um ihre Existenz zu sichern. Wir Hebammen sind überzeugt, dass eure Reaktion einen Stein ins Rollen bringen kann. Dadurch kann für uns ein Weg frei werden, um bei den Versicherungen, Krankenkassen und Verantwortlichen in der Gesundheitspolitik das nötige Gehör zu bekommen. Herzlichen Dank. Freuen würde ich mich, wenn ihr mir von euren Erfahrungen mit den Krankenkassen berichtet.
Um ihr Anliegen, die Zulassung von Hebammendiensten in Privathaushalten, zu unterstützen, bildeten die Demonstranten eine Menschenkette vom Gericht zum Parlamenstgebäude. Mittlerweile erhalten sie auch Unterstützung aus der Regierungspartei Fidesz, eine Abgeordnete sprach sich für eine entsprechende gesetzliche Regelung aus, die auch Hausgeburten unter fachlich qualifizierter Aufsicht ermöglichen könnte, was ein Novum darstellt.
Die 1952 geborene Ágnes Geréb tut sich schon seit Jahrzehnten als Aktivistin für Hausgeburten hervor und bekam schon des öfteren Ärger mit der Justiz, seit 2007 wurde ein Berufsverbot über sie verhängt. Für ihre Anhänger ist sie eine Heldin, für ihre Gegner ist sie - unabhängig von ihren vielleicht berechtigten Forderungen - eine Fanatikerin. Der Richter im laufenden Prozess ordnete dementsprechend gestern auch die Anfertigung eines psychatrischen Gutachtens an.
wie dieses Beispiel meiner Kollegin aus Bad Neustadt zeigt. Schön, dass in der Presse davon immer mal wieder etwas vom Alltag von uns Hebammen zu lesen ist. Danke, dass trotz Stuttgart 21 auch unser Protest nicht vergessen wird. Mehr dazu: http://ow.ly/2POrV
und sie heisst Dr. Mechthild Groß. An der Medizinischen Hochschule Hannover hat damit erstmals eine Hebamme habilitiert. Sie erhielt an der Hochschule die Lehrberechtigung und darf jetzt den Titel Privatdozentin (PD) führen. Sie ist die erste Hebamme in Deutschland, die in der Geburtshilfe eine universitäre Habilitation ablegte. Herzlichen Glückwunsch. Eventuell kann uns Hebammen dies helfen über die Universitäten mehr in das gesellschaftsrelevante "Wahrnehmen" zu kommen. Mehr dazu: http://ow.ly/2IZAU
auch wenn zur Zeit mehr Aufmerksamkeit Richtung Stuttgart 21 oder die sogenannte Gesundheitsreform gelenkt wird. Weil es zu unserem Berufs-Selbstbild passt, wollen wir weiterhin unsere Aufmerksamkeit in erster Linie in Richtung der Schwangeren und den Familien richten. Das bedeutet wir investieren nicht in Lobby-Arbeit um durch Tricks, Vorteile zu bekommen, sondern wir dienen den Menschen, auch wenn die Gesellschaft dies immer weniger würdigt. Wenn die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen sich fortsetzt, werden sowieso immer mehr Hebamme aussteigen und der Hebammenberuf wird nicht mehr so sein wie bisher. Wenn dann Hebammen aus anderen Ländern die Lücken schliessen sollen, wird sich zeigen, das Minister Rösler und seine Vorgänger völlig falsch gelegen haben.
demonstrieren derzeit offenbar mit Protestkrankenständen gegen die Arbeitsbedingungen in den Kreißsälen. Bereichsleiter Peter Husslein sprach am Dienstag von einem "Ausnahmezustand". Die Hebammen hatten sich bereits Anfang September an die Politik und einen Anwalt gewendet und "schwere Missstände" im Geburtenbereich des AKH kundgetan. Mehr dazu: http://ow.ly/2I0Qr
die damit zusammen hängenden Kosten. Sagen die Versicherungen. Soweit die Theorie. Bei dem aktuellen Beispiel aus Österreich sollten wir mal dran bleiben und mitverfolgen, wie der Prozess ausgeht und wie der Hebamme und den betroffenen Eltern wirklich geholfen wird. Wenn sich meine Vermutung bestätigt, dann werden die Versicherungen ihr "Portemonnaie" erst öffnen, wenn Ihnen keine Wahl mehr bleibt. Bis dahin werden sie aber intensiv suchen, um die Kosten jemand anderem aufzubürgen. Hier der Fall: http://ow.ly/2GRtx
nicht stimmen. In Afrika ist das schon ganz selbstverständlich. Man redet sogar vom Exodus der Hebammen. Mehr dazu gibt es hier: http://ow.ly/2GxGl
denn die Veränderungen bzw. Erhöhungen für den Versicherungsschutz bringen Hebammen in finanzielle Bedrängnis. Viele freiberufliche Hebammen wollen nun darauf verzichten Paare während der Geburt im Kreißsaal oder zuhause zu betreuen. Zwar gibt es ja genügend Geburtsstationen in den Krankenhäusern mit angestellten Hebammen, um die "Nachfrage" zu stillen, aber mehr und mehr entfällt die Wahlmöglichkeit des Geburtsortes für die Paare. Keiner gebietet den Versicherungen Einhalt und diese spielen sowieso nicht mit offenen Karten. Sie geben lediglich an, das aufgrund von steigenden Klagen bei Geburtsfolgeschäden die Erhöhung notwendig sei. Uns Hebammen wird nun deutlich, dass wir mehr als je zuvor um unseren gesellschaftlichen Status kämpfen müssen. In den Kliniken, zwingt der Finanzdruck die Geburtshilfe immer mehr Richtung Kaiserschnitt, denn dafür gibt es mehr Geld von den Krankenkassen als bei der natürlichen Geburt. Zudem ist in der Klinik immer wieder neu zu klären, ob nun Arzt oder Hebamme, das Sagen haben. Wir Hebammen, mit einem der ältesten Berufe der Weltgeschichte, werden dafür kämpfen, dass unser Beruf erhalten bleibt und anständig honoriert wird, um den Schwangeren vor, während und nach der Geburt weiterhin beizustehen zu können.
Eine schnelle Antwort auf diese Frage fällt nicht leicht. Auf jeden Fall ist es keine Berufsmüdigkeit. Hebammen lieben ihren Beruf. Aber wie bei jedem Beruf, den man ausübt, sollte Frau davon leben können. Dies scheint nicht mehr möglich. In PR-Sprache kann man dies so auf den Punkt bringen: Hebamme, Hebarme, Hebarmut. Die Berufgeschichte einer Kollegin von mir verdeutlicht die Situation: http://ow.ly/2uLi8